Bildung muss auf der politischen Agenda erste Priorität bekommen

Niedersächsisches Handwerk fordert: Berufliche Bildung verstärkt in den Fokus rücken

„Die Handwerkskonjunktur brummt! Das ist längst kein Geheimnis mehr!“, betont, Mike Schneider (Bild), in seiner Funktion als neuer Präsident des Niedersächsisches Handwerks (NHT) im Rahmen seiner ersten Pressekonferenz auf Landesebene. Gemäß den Erwartungen für das Jahr 2016 mit einem Umsatzzuwachs um ca. 2,3 Prozent auf 52,4 Mrd. € wird der Umsatz 2017 nochmals um ca. 1,7 Prozent, d.h. um knapp eine Milliarde auf 53,4 Mrd. € wachsen. Kunden machen inzwischen häufiger Erfahrungen mit Wartezeiten von einigen Wochen und manchmal müssen zum Bedauern des Handwerks auch lukrative Aufträge ausgeschlagen werden, weil Fachkräfte fehlen. Aber der Markt für qualifizierte Handwerker ist wie leergefegt. Unter dem Strich werden die Beschäftigtenzahlen im niedersächsischen Handwerk vor diesem Hintergrund aller Voraussicht nach wie 2016 - auch 2017 bei etwa 528.000 Beschäftigten vor diesem Hintergrund auf hohem Niveau stabil bleiben.

Schneider betont, dass in einer im Januar und Februar durchgeführten Umfrage, an der sich 540 Handwerksbetriebe aus ganz Niedersachsen beteiligt haben, 85 % von einer weiterhin stabilen Entwicklung oder sogar einer Besserung ausgehen und nicht einmal ein Prozent mit einer deutlichen Verschlechterung. „Der Ausgang der US-Wahl, der Brexit und die nach wie vor unsichere wirtschaftliche Entwicklung im übrigen Europa schaffen zwar Unsicherheiten, allerdings bleibt die Bewertung der wirtschaftlichen Lage im Handwerk damit aber weiterhin positiv.“

Vor den anstehenden Wahlen 2016/2017 wurden die Handwerksbetriebe im Rahmen der Umfrage grundsätzlich gefragt hat, wo die Politik Schwerpunkte setzen soll:

74 Prozent der Handwerker wollen eine politische Schwerpunktsetzung auf Bildung

Mit knapp drei Viertel aller Betriebe wünschen sich die meisten eine Schwerpunktsetzung auf den Bildungsbereich. Dabei ist es nach Einschätzung des NHT wichtig, dass entgegen einer einseitigen, vielfach vorschnellen Ausrichtung auf das Studium stärker darauf geachtet wir, dass die jungen Menschen nicht ins Studium gelenkt werden sollten, wenn dieses eigentlich nicht ihren Fähigkeiten und Talenten entspricht. „Ein späterer Job sollte neben einer echten Perspektive auch Spaß machen! Hohe Studierquoten sind isoliert zudem kein Erfolgsindikator“, zeigt sich Schneider überzeugt.

In der aktuellen Umfrage unter den Betrieben des Handwerks zeigt sich
• dass 40 % der Betriebe 2016 Schwierigkeiten hatten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen und
• 80 % im vergangenen Jahr einen Rückgang der Bewerberzahlen beobachteten.

„Das Handwerk bietet gute Entwicklungschancen bis hin zur Selbständigkeit. Dieses wird häufig nicht erkannt und wäre mit Sicherheit für vele, auch spätere Studienabbrecher und - abbrecherinnen ein besserer Weg“, ist Schneider überzeugt. Er lobt, dass die Landesregierung mit dem Bündnis Duale Berufsausbildung erste gute Schritte in die richtige Richtung getan hat. Dazu zählen die

• Konsequente Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen und die verpflichtenden Beratungsgespräche
Erstmals wird die Berufsorientierung - und zwar nicht im ausschließlichen Sinne Studienorientierung auch an den Gymnasien in Niedersachsen eingeführt. Schneider appelliert an alle Schulen und speziell auch an die Gymnasien die großen Chancen der beruflichen Bildung nicht zu verkennen und offen für berufliche Werdegänge zu sein.

• Schaffung der sog. Jugendberufsagenturen (JBA)
Die Agentur für Arbeit, die Jobcenter und die Jugendhilfe sollen unter Einbeziehung der Schulen sowie der örtlichen Wirtschaft Netzwerkstrukturen aufbauen, um den Übergang Schule – Beruf zu verbessern. Die jungen Menschen sollen entsprechend ihren individuellen Neigungen und Leistungen beraten und informiert werden. Die derzeitigen Regelungen zum Datenschutz konterkarieren die Umsetzung der Ziele des Bündnisses duale Ausbildung und die flächendeckende Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern. Aufgrund fehlender schulgesetzlicher Grundlagen dürfen niedersächsische Schulen bislang personenbezogene Daten ihrer Schülerinnen und Schüler nicht an die staatlichen Träger der Jugendberufsagenturen, Agentur für Arbeit oder Jobcenter ohne die Einverständniserklärung der Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern weiterreichen. Der Weg über eine Freiwilligenerklärung ist bislang jedoch nur eine Notlösung und wenig effektiv. Wichtig ist aber, so Schneider, dass der Datenschutz nicht gegen die Ziele der Jugendberufsagenturen (JBA) ausgespielt werden darf. Das Handwerk fordert eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes.

• Junge Flüchtlinge mit Bleiberecht stärker an eine Qualifizierung, d.h. auch an eine Ausbildung herangeführt werden
„Nur über eine Qualifizierung erreichen wir eine echte Integration. Wenn von den 7.400 Flüchtlingen, die bisher - nach Auskunft der Agentur für Arbeit in Hannover (Anfang Februar) - einen Job gefunden haben, diese meist als Helfer eingesetzt werden, kann uns das nicht zufriedenstellen“, erklärt Schneider. Nur jeder 8. kann seine Fähigkeiten bisher als „Fachkraft“ bzw. „Spezialist“ einsetzen. Die Handwerksorganisation ist insgesamt sehr offen, was die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund angeht. Das zeigt das Projekt IHAFA Integration…. (Internetseite www.IHAFA.de). Das handwerkliche Vokabelbuch „Willkommen im Handwerk“ der Unternehmerfrauen im Handwerk, welches inzwischen bundesweit nachgefragt wird, zeigt, wie groß der Bedarf an Unterrichtsmaterial ist.

66 Prozent wünschen sich eine Stärkung des Wirtschaftsressorts
„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort sind für die Handwerksbetriebe von großer Bedeutung, deshalb hat das Wirtschaftsressort eine große Bedeutung“, betont Schneider. Die größten Herausforderungen sind für die Betriebe des überwiegend kleinbetrieblich strukturierten Betriebe sind 2017 die enorme Bürokratie, der starke Fachkräftemangel, die hohen und nicht als gerecht empfundenen Steuern und Sozialabgaben sowie die mangelnde Breitbandversorgung.

52 Prozent des Themas Sicherheit
An dritter Stelle der notwendigen politischen Schwerpunktsetzungen sehen die Betriebe das Thema Sicherheit. „Dieses verwundert nicht wirklich“, erklärt Schneider. Sicherheit ist ein Thema, auch im Handwerk. Die Politik auf Bundes- und Landesebene darf sich bestätigt sehen, wenn sie verstärkte Sicherheitsvorkehrungen vorsieht. Nicht nur eine unmittelbare Betroffenheit, sondern auch die Berichterstattung über steigende Einbruchszahlen verunsichern allgemein die Bevölkerung.



 
 
 
 

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